Zahnimplantate Implantate Heidelberg - Dr. med. dent. Uwe Richter - Implantologie Implantat Zahnimplantat, Telefon: 06221 - 41 00 43

Interview

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Sofortimplantation

Frage:

Herr Dr. Richter – was versteht man unter einer Sofortimplantation?

Dr. Richter:

Unter einer Sofortimplantation versteht man das Einsetzen einer künstlichen Zahnwurzel (Implantat) in den Kieferknochen zeitlich sofort im Anschluss an die Entfernung eines natürlichen Zahnes – deswegen auch Sofortimplantat. Im angelsächsischen Sprachgebrauch spricht man von „immediate placement“. Wird das Implantat dann sofort mit einer provisorischen Krone versorgt, auf die man zum Schutz vor Überbelastung in den ersten 6-8 Wochen noch nicht aufbeißen sollte, nennt man das „immediate restoration“ oder Sofortversorgung. Davon zu unterscheiden ist das „immediate loading“ – die Sofortbelastung, bei der meist mehrere Implantate eingesetzt worden und über einen Kronenblock verbunden worden sind, um dann sofort mit einer Krone kaustabil zum sofortigen Kauen versorgt zu werden.

Frage:

Wovon ist es abhängig ob ein sofort nach der Zahnentfernung eingebrachtes Implantat entweder gleich mit einer provisorischen Krone versorgt werden darf oder nicht, oder sogar gleich zum Kauen benutzt werden kann?

Dr. Richter:

Dies ist vorallem eine Frage der Stabilität des Implantates im Knochen. Diese sogenannte Primärstabilität kann man beim Eindrehen der Implantatschraube als Eindrehmoment messen. Dafür werden spezielle Drehmomentratschen benutzt, die ähnlich denen beim Anziehen der Felgenschrauben beim Auto arbeiten. Werden hier Werte über 30 Ncm erreicht und erfolgt kein gleichzeitiger Knochenaufbau, und sind noch ausreichend weitere Zähne zum Kauen vorhanden, entscheidet der Implanteur über die Möglichkeit einer Sofortbelastung. Nach einer Studie von de Lange et al. erweisen sich die Sofortbelastung und die Sofortimplantation bei ausreichender Stabilität des Implantates nicht als Risikofaktor.

Frage:

Welche entscheidenden Vorteile bringt die Sofortimplantation dem Patienten aus seiner Perspektive?

Dr. Richter:

Subjektiv kommt der Patient in den Genuss von 3 Vorteilen:

  1. Die Behandlungsdauer wird verkürzt: nach der Zahnentfernung muss nicht zwei Monate auf das für eine normale Implantation notwendige Ausheilen der Wunde gewartet werden.
  2. Die durch den entfernten Zahn entstandene Lücke wird in den meisten Fällen sofort durch ein Provisorium auf dem Implantat versorgt.
  3. Der Patient wird weniger psychisch gestresst, da die Zahnentfernung, die Implantation und die Implantaterstversorgung mit einer Krone durch einen Eingriff in nur einer Sitzung vollzogen werden.

Frage:

Gibt es eine Alternative, um eine Zahnlücke vorübergehend mit einem Zahn kosmetisch sofort zu versorgen, wenn ein Sofortimplantat einmal nicht mit einem Kronenprovisorium versorgt werden konnte?

Dr. Richter:

Ja. Wir verwenden dazu provisorisch an die Nachbarzähne geklebte Marylandbrücken. Sie schützen das Implantat vor Überbelastung und stellen die Patientenästhetik (Ihr Aussehen) sofort wieder her. Damit können unsere Patienten die Praxis nach der Implantation wieder ohne Zahnlücke verlassen. Nach 10 Wochen wird die Marylandbrücke entfernt und das Implantat mit einer festsitzenden Zahnkrone, die wie ein natürlicher Zahn aussieht, versorgt.

Frage:

Manche Zahnärzte lehnen Sofortimplantate mit dem Hinweis ab, dass sie ein höheres Risiko als Normalimplantate haben. Wie sehen Ihre Erfahrungen aus?

Dr. Richter:

Zunächst einmal schlage ich dazu einen Blick in die aktuelle Fachliteratur vor: Es gibt viele kontroverse wissenschaftliche Publikationen über das Thema Sofortimplantation, d.h. sowohl Untersuchungen, die sich pro als auch solche, die sich kontra Sofortimplantation aussprechen. Um zu einem objektiven Ergebnis zu gelangen, habe ich Untersuchungen ausgewertet, die beide Implantationsmethoden nebeneinander in dergleichen Untersuchung vergleichend bewertet haben. Von dieser Art Veröffentlichungen gibt es nur wenige. Diese wenigen geben für beide Implantationsmethoden einen ähnlichen Erfolg an, haben aber für die Sofortimplantation besondereAuswahlkriterien berücksichtigt. Daraus muss man schließen, dass nicht in jedem Fall sofort implantiert werden darf, sondern man muss besondere Indikationen oder Bedingungen einhalten. Diese wichtigsten Voraussetzungen für eine Sofortimplantation nenne ich Ihnen nachfolgend:

  1. Der zu entfernende Zahn darf nicht unter einer akuten/ eitrigen Entzündung stehen. Sollte das der Fall sein, muss der Akutzustand durch geeignete Maßnahmen in einen chronischen Zustand überführt werden.
  2. Das gingivale Gewebe darf auf der der Wange zugewandten Seite nicht vom darunter befindlichen Alveolarknochen abgelöst werden, da es sonst zu einer vollständigen Resorption der Bukkallamelle kommen kann. Bei dickem gingivalen Typus ist ein Spalthautlappen erlaubt. Ein Bindegewebetransplantat ist immer von Vorteil. Die schonende Extraktion mit Periotomen u.a. ist Voraussetzung.
  3. Das Implantat muss weiter innen (palatinal) positioniert werden als der Zahn zuvor, um einen Spaltraum (gap, jumping distance) auf der Aussenseite zu schaffen, der mit einer Mischung aus eigenem Knochen aus der Implantatbohrung und langsam resorbierbarem Knochenersatzmaterial zum Resorptionsschutz der meist ausgedünnten Bukkallemelle aufgefüllt wird.
  4. Die Bukkallamelle muss - unabhängig von ihrer Stärke/Dicke - mindestens im koronalen Drittel des Zahnfaches vorhanden sein. Bei fehlender Bukkallamelle ist die Rekonstruktion durch Abdeckung mit einer Membran alleine (GBR) aus Sicherheitsgründen vor dem Infektionsfall nicht ausreichend.
  5. Der Implantatdurchmesser soll eher kleiner als der des zu ersetzenden Zahnes sein und der Abstand zu den Nachbarzähnen mindestens 1-2 mm betragen. So wird die Primärstabilität meist über den apikalen (unteren) Implantatwurzelanteil erreicht und zusätzlicher Raum in Form des zum Resorptionschutz aufgefüllten Spaltraumes (gap) zu den Nachbarstrukturen (Zähnen) geschaffen.
  6. Das Eindrehmoment (insertion torque) des Implantates sollte mindestens 30 – 60 Ncm betragen.
  7. Der Patient ist immer antibiotisch abzuschirmen für 1 Woche.
  8. Zum Schutz vor Überbelastung wird postoperativ über das Implantat eine Wundschutzplatte positioniert und herrscht auf der Implantatseite zunächst Kauverbot.

Frage:

Das sind so viele Voraussetzungen, dass man glauben könnte, dass eine Sofortimplantation eher selten vorkommt. Ist die Annahme richtig?

Dr. Richter:

Nein. In unserer Praxis sind über 50 % aller nach Zahnentfernung gesetzten Implantate Sofortimplantate. Sogar akut entzündliche Zähne werden sofortimplantiert, nachdem sie zuvor in einen chronischen Zustand überführt worden sind. Einzig die Fälle von ungünstigen Knochendefektlokalisationen – erstens bei fehlender äußerer Knochenlamelle - , zweitens bei sehr großer Zahnwurzel – häufig im Seitenzahnbereich – und drittens bei größerem Knochendefekt nach Entzündung an der Wurzelspitze schränken die Möglichkeit einer Sofortimplantation ein. Bei diesen Fällen wird zwei- bis dreizeitig vorgegangen:

Zahnentfernung + 2Mte.Pause + Knochenaufbau + 2Mte.Pause + Implantation

Frage:

Wie sehen Ihre Erfolgsraten für die Sofortimplantation aus?

Dr. Richter:

Seitdem wir das oben erwähnte Risikoscreening durchführen, liegt die Rate der Osseointegration für Sofortimplantate ähnlich der bei Spätimplantaten bei 95-98 %. Unsere Patienten sind begeistert, wenn sie in 1 Sitzung den operativen Teil hinter sich haben, bei dem die äußerst schonende Zahnentfernung meist viel schwieriger auszuführen ist als die eigentliche Implantation. Und sollte der seltene Fall eintreten, dass ein Implantat nicht einwächst, führen wir die Nachimplantation als Spätimplantation ohne Kosten für den Patienten durch.

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Herr Dr. Richter – wir danken Ihnen für dieses Gespräch.